Am Donnerstag, den 5. Juni 2025, fand in der neuapostolischen Kirche am Muldenweg 12 in Kitzingen der letzte Gottesdienst statt. Damit endete die über 72 Jahre alte Geschichte der selbstständigen Gemeinde, die mit sofortiger Wirkung in die Partnergemeinde Ochsenfurt integriert wurde. Der bisherige Vorsteher, Priester Heinz-Jörg Herrmann, wurde altershalber in den Ruhestand versetzt, und sein Stellvertreter, Priester Gerd Rist, wurde beauftragt, der nun erweiterten Kirchengemeinde Ochsenfurt als Vorsteher zu dienen.
Apostel Arne Herrmann legte dem Entwidmungsgottesdienst ein Bibelwort aus dem Matthäusevangelium zugrunde:
„… Das Himmelreich gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon.“ (Matthäus 13, 24f)
In seinen einleitenden Worten äußerte der Apostel zunächst Verständnis für die Traurigkeit der Kitzinger Brüder und Schwestern über die Schließung ihres Kirchengebäudes. Die geistliche Versorgung in der Gemeinde Ochsenfurt, mit der sie so lange erfolgreich kooperiert hatten, sei aber auch zukünftig gesichert. Am Glaubensziel der Wiederkunft Christi habe sich nichts verändert. Es gelte, gemeinsam den Weg der Nachfolge des Sohnes Gottes fortzusetzen.
Das eingangs vom gemischten Chor vorgetragene Lied, „Ich, der Herr von Erd und All“ (CB 388) sei alles andere als ein Trauerlied und mache Mut für die Zukunft, so Arne Herrmann weiter. Besonders die Aussage des Liedtextes, „Ich bin hier, Herr.“, mit der Bekundung der treuen Nachfolge Christi zog sich wie ein roter Faden durch die Predigt.
Im Folgenden zeigte der Apostel den Zusammenhang zwischen dieser Nachfolge und dem vorgelesenen Bibelwort auf. Nach seinen eigenen Erläuterungen zu dem Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen habe Jesus selbst den guten Samen ausgesät (vgl. Matth. 13, 37ff), der Teufel aber das Unkraut. Der gute Same seien die Kinder des Reiches Gottes, das Unkraut aber die Kinder des Bösen. Wer dem Herrn nachfolge, streue deshalb wie Jesus guten Samen aus, wer jedoch nur seine eigenen irdischen Interessen verfolge, laufe Gefahr, Unkraut zu säen.
In seinem ergänzenden Predigtbeitrag vertiefte Bischof Marco Metzger das Verständnis für das Bibelwort. Das darin erwähnte Unkraut sei wahrscheinlich der sogenannte Taumellolch, eine giftige Pflanze, die während ihres Wachstums äußerlich kaum vom guten Weizen zu unterscheiden ist. Deshalb die Aufforderung Jesu, das Unkraut nicht vor der Ernte auszujäten. Dies sei ein unmissverständlicher Hinweis auf das Geschehen am Tag des Herrn.
Nach der Feier des Heiligen Abendmahls mit der dank vieler geladener Gäste noch einmal großen Gemeinde setzte Arne Herrmann den bisherigen Vorsteher, Priester Heinz-Jörg Herrmann, nach insgesamt 41-jähriger Amtstätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand. Er dankte ihm für sein segensreiches Wirken, besonders in den vergangenen 18 Jahren als Gemeindeleiter nicht nur von Kitzingen, sondern seit 2020 auch von Ochsenfurt. Ihm und seiner Frau Cornelia wünschte er Gottes Segen für den zukünftigen Lebensabschnitt.
Im Anschluss wurde Priester Gerd Rist durch den Apostel beauftragt, der um die Kitzinger Mitglieder erweiterten Gemeinde Ochsenfurt als Vorsteher voranzugehen. Arne Herrmann sprach ihm den besonderen Dank für seine Bereitschaft aus, die Last der Verantwortung für die Anvertrauten zu übernehmen, und das in einer Zeit, in der sich der Mangel an freudigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern immer deutlicher bemerkbar mache.
Vor der Entwidmung des Kirchengebäudes verlas eine junge Glaubensschwester die Kurzchronik der Gemeinde Kitzingen, deren Anfänge auf die Nachkriegszeit zurückgehen. Es folgte das feierliche Entwidmungsgebet, in dem der Apostel Gott für den guten Samen dankte, der über die Jahrzehnte hinweg mit seiner Hilfe in der Gemeinde Kitzingen ausgesät werden konnte, aber auch für das Wirken des Heiligen Geistes in diesem Gotteshaus seit seiner Einweihung im Jahr 1988.
Nach dem trinitarischen Schlusssegen folgten nicht nur etliche Gespräche mit den vielen Besucherinnen und Besuchern. Es trafen sich auch die ehemaligen Vorsteher von Kitzingen, die seit den 80er Jahren gewirkt hatten, mit dem neuen Ruheständler und seinem Nachfolger. Und dieser besondere Anlass wurde in einem Gruppenfoto festgehalten.
Text: Bernd-Uwe Groß
Fotos: Sigi Römer
Anmerkung: Die Kurzchronik steht auf den Gemeindeseiten von Kitzingen und Ochsenfurt.