Vom 21. bis 22. September 2026 unternahm eine Gruppe von knapp 20 Würzburger und Karlstädter Seniorinnen und Senioren eine Kurzreise mit der Bahn oder dem PKW nach Erfurt.
Pünktlich treffen alle Bahnreisenden am Montagmorgen kurz nach 9 Uhr am Bahnhof in Würzburg ein. Nur der Zug trifft nicht ein!
Das nimmt keinem G’Oldie die gute Laune – schließlich kann man die Zeit nutzen, um Kaffee zu trinken.
Unsere gute Laune wird den ganzen Tag auf die Probe gestellt, und Gelegenheit zum Kaffeetrinken bekommen wir dank der Deutschen Bahn öfter als uns lieb ist. Kurzum – die reguläre Anreisezeit von gut 2 Stunden verlängert sich bis in den späten Nachmittag.
Kurz vor 17 Uhr checken wir endlich in der „Villa Altstadtperle“ ein.
Kaum sind die Zimmer bezogen, geht es zum „Abendspaziergang im Kostüm“. Herr Bötefür, der mit uns den Spaziergang durch die Altstadt macht, erscheint als mittelalterlicher Stadtwächter.
Nach einem Exkurs durch die Jahrhunderte und die Entwicklung der Stadt Erfurt erfahren wir, dass die Krämerbrücke die längste durchgehend mit Häusern bebaute und bewohnte Brücke Europas ist und 2025 ihr 700-jähriges Bestehen feiern konnte.
Dann verkosten wir den Brückentrüffel, der von einer Erfurter Schokoladenmanufaktur exklusiv hergestellt wird. Der Brückentrüffel wird auf die Zunge gelegt, und ein Gourmet lässt ihn bei geschlossenen Augen schmelzen.
Vieles erzählt Herr Bötefür kurzweilig über Erfurt. So erfahren wir, dass die Redewendung „blau machen“ ihren Ursprung im Oxidationsprozess der Waidpflanze hat. Mit der aufwändig behandelten Waidpflanze wurden Stoffe blau gefärbt und Erfurt wurde dank des „blauen Goldes“ eine reiche Stadt. Eine Woche dauerte der Färbeprozess und erst beim Trocknen an der Luft verblauten die Stoffe - ein „blaues Wunder“. Bis dahin gab es für die Färber nicht viel zu tun – sie konnten „blau machen.“
Die Zeit vergeht wie im Flug und der Abendspaziergang endet vor dem Wirtshaus Christoffel, wo wir zu Abend essen.
Das „Christoffel“ blickt auf eine über 800-jährige Geschichte zurück. Es wurde im 12. Jahrhundert als Zoll- und Wachhaus errichtet und nach einem großen Stadtbrand im 15. Jahrhundert als Brauereihof mit Braurecht wieder aufgebaut. Noch heute ist das ‚Bierloch‘ über der Tür zu sehen, in welches ein Strohbündel gesteckt wurde, um den Bürgern zu signalisieren, dass frisches Bier gebraut und ausgeschenkt wird.
Nach dem Essen finden sich alle in einem Apartment zur “Pyjama-Party“. Sie dauert lang und die Nacht ist kurz. Erstaunlich, wieviel Wein, Sekt und feinste Leckereien aus den kleinen Koffern gezaubert wird. Mehr wird darüber nicht verraten.
Nach einem ausführlichen Frühstück begeben wir uns am Dienstagmorgen mit einem Umweg über die Waagegasse und die Mikwe zur Krämerbrücke.
Die Waagegasse ist die engste befahrbare Straße in Erfurt. Durch sie mussten alle Händler mit ihren Fuhrwerken zu den städtischen Waagen fahren. Damit kein Händler heimlich Waren abladen und zur Seite schaffen konnten, war die Gasse so eng, dass die Fuhrwerke fast die Häuserwände berührten.
Die Erfurter Mikwe ist ein jüdisches Ritualbad mittelalterlichen Ursprungs und wurde bei Sanierungsarbeiten am Ufer des Flusses Gera entdeckt. Sie wird immer noch von Grundwasser gespeist, das je nach Jahreszeit eine Temperatur von etwa 4°– 8°C hat. Durch einen Lichtschacht kann man von oben in das Tauchbecken schauen. Die Mikwe ist seit 2023 als Teil des Ensembles „Jüdisch-Mittelalterliches Erbe in Erfurt“ UNESCO-Weltkulturerbe.
Es wird Zeit, auf die Krämerbrücke zum „Theatrum Mundi“ zu gehen. Dort erwartet uns Herr Martin Gobsch, ein Puppenbauer, Bühnenbildner und Mechanikus in seiner winzigen Werkstatt und dem Verkaufsraum. Im Schaufenster dreht sich nach dem Einwurf einer Münze ein mechanisches Puppenspiel, das Martin Gobsch entworfen und hergestellt hat. Er schnitzt für professionelle Theater Marionetten, Handpuppen und Stabpuppen aus Lindenholz, entwirft Schattenspiele und vieles mehr. Die Werkstatt ist so klein, dass wir uns in zwei Gruppen aufteilen müssen. Wie die Kinder stehen wir und staunen und tauchen in diese verwunschene Welt ein. Herzlich bedanken wir uns mit einem Würzburger Sekt. Eigentlich hätte die Werkstatt geschlossen. Martin Gobsch hat sie exklusiv für uns geöffnet.
Unser nächster Programmpunkt ist eine Führung durch das Augustinerkloster, das „Lutherkloster“. Groß ist die Freude, als ein junges Ehepaar aus der Gemeinde Würzburg zu uns stößt. Die beiden machen ein paar Tage Urlaub in Thüringen, sind heute in Erfurt und schließen sich unserer Führung an. Höchst spannend und ereignisreich ist die Geschichte des Klosters – davon zu berichten sprengt diesen Rahmen. Man kann wunderbar im Internet darüber lesen. https://www.augustinerkloster.de
Für das Mittagessen haben wir im Restaurant „Zum Güldenen Rade“ Plätze reserviert. Das Gebäude wurde 1480 in ein prächtiges Patrizierhaus umgebaut. Der damalige Eigentümer besaß das Braurecht und handelte mit Bier. Über einen Zeitraum von rund 150 Jahren wurde in dem Haus Schnupf- und Rauchtabak hergestellt. Heute beherbergt das Anwesen ein Gasthaus mit traditioneller thüringischer Küche.
Nach dem Essen lassen wir uns durch die Stadt Richtung Domplatz treiben. Erfurt hat viele schöne Plätze, Märkte und Straßen mit prachtvollen Gebäuden. Nach einem Kurzbesuch im Dom und St. Severi gehen wir zur Festungsmauer und fahren mit dem gläsernen Aufzug auf den Petersberg.
Von dort hat man einen wunderbaren Ausblick über die Stadt. Die Sonne strahlt, es ist ein wunderschöner Herbsttag, und wir genießen den letzten Kaffee im Biergarten, bevor wir uns auf den Weg zum Bahnhof machen und uns von Erfurt verabschieden müssen.
Mit Spannung erwarten wir die Heimreise: Werden die Züge pünktlich sein? Ja – zumindest die Abfahrt in Erfurt klappt. Leider endet die Freude in Schweinfurt – Polizeieinsatz auf der Strecke, mögliche Weiterfahrt gegen 22:30 Uhr. Aber plötzlich muss es dann ganz schnell gehen: Raus aus dem Zug, rein in einen anderen, überfüllten Zug. Alle finden einen Sitzplatz. Mit deutlicher Verspätung kommen wir in Würzburg an.
Trotzdem sind wir uns einig: Es waren zwei erlebnisreiche Tage und wir freuen uns jetzt schon auf weitere Unternehmungen.