Am Mittwoch, den 7. Januar 2026, fand in der neuapostolischen Kirche in Haßfurt der letzte Gottesdienst statt. In diesem Entwidmungsgottesdienst versetzte Apostel Arne Herrmann den langährigen Gemeindevorsteher, Priester Roland Reisenweber, in den wohlverdienten Ruhestand. Gottesdienstbesucher aus dem Bereich Haßfurt sind eingeladen, ab sofort an den Gottesdiensten in den benachbarten Kirchengemeinden Bamberg oder Schweinfurt teilzunehmen.
Apostel Herrmann legte dem Gottesdienst, zu dem sich zahlreiche Besucher aus nah und fern versammelten, ein Bibelwort aus dem Buch Jesaja zugrunde:
„Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Brunnen des Heils.“ (Jes. 12, 3)
Der Apostel erläuterte mit diesem Bibelwort, dass Wasser im biblischen Sinn die Bedeutung von göttlichem Handeln hat. So sei Wasser ein Bild für die Reinigung und somit auch ein Bild für das ewige Leben geworden, da Wasser zum Leben unerlässlich sei. Und für uns als Christen sei klar, dass dieses Wasser Jesus Christus ist. Die Gläubigen könnten mit Freuden von diesem Wasser schöpfen und es weitergeben. Ferner führte der Apostel aus, dass Jesus Christus heute mitten unter uns sei und den Menschen ewiges Leben schenken wolle.
Nach der Feier des Heiligen Abendmahls setzte Arne Herrmann den bisherigen Vorsteher, Priester Roland Reisenweber, der der Gemeinde mehr als 15 Jahre als Vorsteher gedient hatte, in den wohlverdienten Ruhestand und dankte ihm für seinen langährigen Dienst. Auf die Ruhesetzung von Roland Reisenweber folgte die Entwidmung des Kirchengebäudes. Die Gemeinde wurde damit aufgelöst, was vor allem dazu dient, zukunftsfähige Strukturen im Kirchenbezirk zu schaffen. Die bisherigen Mitglieder können ab sofort die Gottesdienste in Bamberg oder Schweinfurt besuchen.
Kurzchronik der neuapostolischen Gemeinde Haßfurt
Bis zum Jahr 1929 gab es nur wenige neuapostolischen Christen in der Region Haßfurt. Gottesdienste konnten zu dieser Zeit nur in Coburg besucht werden.
Der Wunsch der wachsenden Anzahl neuapostolischer Christen, auch in der Region Haßfurt Gottesdienste der eigenen Glaubensgemeinschaft besuchen zu können, wurde schließlich im Jahr 1930 erfüllt. Am 12. Januar 1930 fand der erste Gottesdienst in Haßfurt statt, musikalisch umrahmt von Sängerinnen und Sängern aus Erfurt. Dieser Tag gilt als die Geburtsstunde der Kirchengemeinde Haßfurt. Zunächst stellten die Glaubensgeschwister Frömmrich ihr Wohnzimmer zur Feier der Gottesdienste zur Verfügung. Als der Raum nicht mehr ausreichte, wurde ein Rückgebäude des Wohnhauses genutzt, bevor am 10. Oktober 1930 ein Anbau als Kapellenraum eingeweiht werden konnte.
Am 24. Oktober 1930 besuchte der damalige Apostel Arthur Landgraf die Gemeinde; sieben Seelen empfingen an diesem Tag das Sakrament der Heiligen Versiegelung. Am 8. Oktober 1932 wurde Glaubensbruder Schad aus Bamberg als Priester ordiniert und betreute fortan die Haßfurter.
Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges gehörte die Gemeinde zum Apostelbezirk Leipzig, Unterbezirk Erfurt. Die Gottesdienste wurden überwiegend von Amtsbrüdern aus Coburg und Thüringen gehalten. Besonders hervorzuheben ist Priester Schlitter, Vorsteher der Gemeinde Coburg, der wiederholt eine einfache Strecke von 60 Kilometern mit dem Fahrrad zurücklegte, um die Schwestern und Brüder in Haßfurt zu betreuen.
Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges konnte diese Verbindung nach Thüringen nicht mehr aufrechterhalten werden. Die Gemeinde wurde dem Apostelbezirk Bayern, Unterbezirk Bamberg, zugeordnet. Nun übernahmen Amtsträger aus Schweinfurt, Bamberg und Coburg die Betreuung.
Im Jahr 1964 begann der Bau einer eigenen Kirche in Haßfurt. Das Gotteshaus wurde Mitte August 1965 fertiggestellt und durch den damaligen Bezirksapostel Eugen Startz eingeweiht. Ende 2005 begann eine umfassende Renovierung. Während dieser Zeit besuchten die Gemeindemitglieder die Gottesdienste in Königsberg. Am 6. Juli 2006 wurde die renovierte Kirche in einem feierlichen Gottesdienst neu geweiht, und die Gemeinden Haßfurt und Königsberg wurden zusammengeführt.
Haßfurt wurde bis 1978 von Evangelist Paul Rahn und anschließend bis 1987 von seinem Sohn, Evangelist Horst Rahn, betreut. Von 1987 bis 2010 wirkte Priester Heinz Weinmann als Vorsteher. Er wurde im April 2013 nach 42 Jahren kirchlicher Tätigkeit in den Ruhestand versetzt. Bereits seit dem 4. Oktober 1998 hatte Priester Roland Reisenweber aus Coburg die Gemeinden Königsberg und Haßfurt unterstützt. Am 17. Februar 2010 wurde er durch Apostel Dieter Prause als Vorsteher der Gemeinde Haßfurt beauftragt. Ihm standen die Priester Robert Rückert und Martin Ziemer sowie Diakon Michael Schnös zur Seite.
Text: T.R./R.R./J.S.
Bilder: J.S.