„Zuhause habe ich Mama, Papa und meinen Bruder. Und wenn sie von dort weggehen, dann gehe ich natürlich mit.“ Das ist die Aussage eines Kindes nach einem Bezirkskindergottesdienst, den Priester Christian Riegel aus der Gemeinde Würzburg am 19. November 2023 in Ochsenfurt feierte. Etliche Kinder hatten sich zusammen mit Lehrkräften eingefunden, sodass das Kirchengebäude gut gefüllt war.
Christian Riegel stellte den Gottesdienst unter ein Textwort aus dem Lukasevangelium: „Und es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten. (Lukas 2, 46-47)“
Zur Einleitung erzählte der Priester, dass er am Vortag bei einer Fahrt auf der Autobahn einen jungen Mann gesehen habe, der ein Schild mit der Aufschrift „Nach Hause“ hochhielt. Im Gespräch zu der Frage, ob der junge Mann auf diese Art und Weise sein Ziel erreichen könne, entwickelte sich bei den Kindern die Gewissheit, dass man nur nach Hause kommen könne, wenn man wisse, wo man zuhause ist. Auf die Frage, was für die Kinder ein Zuhause ausmache, beschrieben sie es in ihren Antworten als einen Ort, wo sie herkommen und immer wieder gerne hingehen. Jesus sei zwar, so der Priester, in Nazareth zuhause gewesen, er habe aber im Tempel noch ein anderes Zuhause entdeckt.
Im Anschluss führte Nicole Metzger in einem 11-teiligen Kamishibai, einer bei buddhistischen Wandermönchen des 10. Jahrhunderts gefundenen Erzählform, in der eine Kinder orientierte Geschichte in szenischer Abfolge von Text und Bildern präsentiert wird, in den Schwerpunkt des Gottesdienstes ein. Es handelte vom ersten Besuch des 40 Tage alten Kindes im Tempel, als Simeon und Hanna seine Gottessohnschaft bezeugen, und der Feier des Passahfestes 12 Jahre später, als Maria und Josef Jesus erst nach dreitägiger Suche im Gespräch mit den Lehrern fanden. Christian Riegel ging in seiner Predigt auf diese Lesung ein und wies darauf hin, dass Jesus alles, was er für das tägliche Leben brauchte, genauso wie alle anderen Kinder um ihn herum gelernt habe. Darüber hinaus wollte er aber auch lernen, was für seinen Glauben wichtig ist. Das sei auch heute die Aufgabe, der sich die Kinder immer wieder stellen sollen.
In kleineren Gesprächsgruppen erhielten die Kinder Gelegenheit zusammenzutragen, was sie im Gottesdienst schon alles gelernt haben: Geschichten von Gott, Hilfsbereitschaft und Beten waren einige der Antworten, die auf vorbereiteten Kärtchen notiert wurde. Auf die provokant vorgetragene Frage, ob es denn überhaupt noch nötig sei in den Gottesdienst zu gehen, wenn die Kinder schon so viel gelernt hätten, ergab sich im Gespräch die Aussage: „Wir lernen von Gott unser ganzes Leben.“
Nach der Sündenvergebung, der Feier des Heiligen Abendmahls und dem Schlusssegen durften die Kinder in vorbereiteten kleinen Glasflaschen unterschiedlich gefärbten Sand zu den erarbeiteten Lernerfolgen im Glauben einfüllen und sie als bleibende Erinnerung mit nach Hause nehmen.
Text: Andreas Lehmann
Bilder: Birgit Weitzel
Ochsenfurt, 19.11.2023