Am Donnerstag, den 5. Juni 2025, wurde das Gebäude der neuapostolischen Kirche Kitzingen entwidmet. Der Bericht darüber findet sich auf der Homepage des Bezirks Erlangen-Würzburg und auf den Internetseiten der Gemeinden Kitzingen und Ochsenfurt. Im Folgenden wird die im Entwidmungsgottesdienst vorgelesene Kurzchronik veröffentlicht.
Die Anfänge der neuapostolischen Kirche in Kitzingen reichen in die Nachkriegszeit zurück. Lange bevor von einer selbstständigen Gemeinde die Rede sein konnte, bemühte sich der damalige Vorsteher von Würzburg, Otto Ranft, um verstreut im Landkreis wohnende Glaubensgeschwister. Erste Gottesdienste fanden in Gaibach und später in Laub statt. Ab 1949 diente eine Wohnung am Galgenwasen als Versammlungsstätte, später ein Klassenraum in der alten Berufsschule Kitzingen. Die Gemeinde wuchs, und ihr Einzugsgebiet umfasste bald etliche Ortschaften des Landkreises.
Als Otto Ranft 1952 zur Ruhe gesetzt wurde, übernahm für kurze Zeit sein Nachfolger, Willi Hartmann, die Verantwortung für die Kitzinger, die noch zu Würzburg gehörten.
Am 1. März 1953 wurde Kitzingen mit inzwischen 40 Mitgliedern selbstständig und erhielt mit Friedrich Heine einen eigenen Vorsteher. Nach seinem Wegzug 1955 wurde Alfred Banik aus Würzburg zu dessen Nachfolger bestimmt. In seine Zeit fällt 1959 der Umzug in das kleine Haus in der Buchbrunner Straße 7a, das dann fast drei Jahrzehnte als Gottesdienstlokal dienen sollte. 1963 kehrte Alfred Banik in seine Heimatgemeinde zurück, an seine Stelle trat Walter Süß aus Würzburg.
Mit einer steigenden Mitgliederzahl in den 70er Jahren entstand der Wunsch nach einem eigenen Kirchengebäude. Bis zu seiner Erfüllung sollten jedoch noch etliche Jahre vergehen. 1982 wurde Walter Süß nach 19 Jahren aufopferungsvoller Arbeit für die Gemeinde im 74. Lebensjahr in den Ruhestand versetzt. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, seinen Nachfolger im Amt des Vorstehers, Bernd-Uwe Groß aus Ochsenfurt, tatkräftig bei der weiteren Grundstückssuche zu unterstützen. 1983 konnte endlich der Kauf des Anwesens am Muldenweg 12 notariell beurkundet werden.
Wie dringlich der Bau einer Kirche erschien, ließ sich an dem immer schlechter werdenden Zustand des alten Lokals und an der Raumnot ablesen. Bei gemeinsamen Gottesdiensten mit der Gemeinde Ochsenfurt wurden bis zu 83 Teilnehmer gezählt. Deshalb ließ der Vorsteher auch nicht in seinem Drängen nach, doch möglichst bald den Neubau in Angriff zu nehmen.
Inzwischen hatte die Gemeinde in Manfred Oster einen neuen Vorsteher erhalten, da Bernd-Uwe Groß Ende 1986 nach Ochsenfurt zurückkehrte und mit der Pflege der dortigen Gemeinde betraut wurde. 1987 fing man endlich mit der Bauplanung an. Im Frühjahr 1988 begann der Rohbau der Kirche, und dank zügiger Bauarbeiten gelang es, am 18. Dezember 1988 die Einweihung zu feiern.
Nicht zuletzt wegen des schönen Gotteshauses erlebte Kitzingen in den folgenden Jahren eine positive Aufwärtsentwicklung. Dazu zählten Zuzüge, auch aus umliegenden Gemeinden, weitere Amtsgaben und neue musikalische Aktivitäten. So fand der 1986 in Würzburg gegründete Englischchor, der die damaligen Englisch-Gottesdienste in Ochsenfurt und Kitzingen umrahmte, in der Kirche am Muldenweg seinen Probenraum.
Als Manfred Oster 2001 aus beruflichen Gründen nach Ulm verzog, wurde Matthias Woyth als Gemeindevorsteher eingesetzt. Leider wurde er bereits 2005 von seiner Aufgabe entbunden. Der damalige Bezirksvorsteher, Max Mandel, übernahm für die nächsten zweieinhalb Jahre die Verantwortung für die Gemeinde, bis im Jahr 2007 endlich ein neuer Vorsteher gesetzt werden konnte: Heinz-Jörg Herrmann.
Der Aufwärtstrend der 80er und 90er Jahre kehrte sich in den nächsten beiden Jahrzehnten bedauerlicherweise um. Bedingt durch Todesfälle und Wegzüge nahm die Zahl der Gottesdienstbesucher allmählich ab, was sich auch in der Besetzung des Gemeindechors immer stärker bemerkbar machte. Auf Initiative von Heinz-Jörg Herrmann begann eine systematische Zusammenarbeit mit der Partnergemeinde Ochsenfurt ab Ende 2016, wie es sie ansatzweise schon einmal in den 80er Jahren gab. Alle Wochengottesdienste wurden von nun an gemeinsam gestaltet, und zwar abwechselnd in beiden Kirchengebäuden. Drei Jahre später wurde diese Kooperation auch auf die Sonntagsgottesdienste ausgedehnt, in Vorbereitung auf die bevorstehende Ruhesetzung des Ochsenfurter Vorstehers.
Als Anfang 2020 Bernd-Uwe Groß in den Ruhestand trat, wurde Heinz-Jörg Herrmann zusätzlich mit der Leitung der Gemeinde Ochsenfurt betraut. Das Konzept der vollständigen Kooperation hat sich bis heute bewährt, sei es in der Arbeitsteilung bei der Wortverkündigung, beim gemeinsamen Chorgesang oder bei der musikalischen Arbeit im gemeindeübergreifenden Orchester.
Nun erfolgt heute mit der Entwidmung des Kirchengebäudes in Kitzingen der nächste Schritt auf dem Weg in eine gemeinsame Zukunft beider Gemeinden. Künftig wird sich das Leben der zusammengeführten Gemeinde auf einen Standort konzentrieren. Damit wird auch dem reduzierten Amtsträgerkreis und den älter werdenden Mitgliedern Rechnung getragen, denn die Betreuung und Pflege eines Kirchenstandorts bedeutet weniger Aufwand für alle Beteiligten. Eine Bündelung der Kräfte am gemeinsamen Standort Ochsenfurt möge sich segensreich für alle auswirken.
An Gottes Vollendungsplan ändert das alles nichts. Es geht weiter mit dem Ziel der Wiederkunft Christi. Für die Gemeinde ist auch zukünftig gesorgt. Bleiben wir einmütig beieinander! Denn gemeinsam sind wir stark. Möge unser himmlischer Vater auf alle Entwicklungen seinen Segen legen.
Verfasser: Bernd-Uwe Groß